T O D S P A N N U N G

 Raum für phantastische und serielle Spannungsliteratur des 19. und 20. Jahrhunderts von Robert N. Bloch und Mirko Schädel

Meine Privatdrucke 2020
von Robert N. Bloch




Jacob Fürth
DER ALTE GOTT

Seltsame Geschichten

Buchschmuck von Jörg Neidhardt und Schädelwaldt



Der Prager Rechtsanwalt Jacob Fürth steht ganz in der Tradition von Gustav Meyrinks phantastischen Satiren, die dieser zu Anfang des 20. Jahrhunderts im Simplicissimus veröffentlichte. Man erfährt von einer Nixe und einem Wissenschaftler, die wegen Perversion und Psychopathia sexualis vor Gericht gestellt werden. Und von einem Herzog von Blödelhausen, der von einem griechischen Gott in einen geistessprühenden Dichter verwandelt wird. In Geschichten um unbefleckte Empfängnis, Seelenwanderung und ewige Jugend nimmt der Autor gekonnt Bigotterie und Bürokratismus aufs Korn. Fürths Phantasien aus dem Jahre 1907 gerieten unverdient in Vergessenheit und werden hier nach über hundert Jahren dem lesenden Publikum wieder zugänglich gemacht.

Der Band enthält die Geschichten: Nixenliebe, Der alte Gott, Schlangen, Seelenwanderung, Die liebe Unschuld, Die Verkörperung, Ewige Jugend, Der schneidige Freier, Der Zauberspigel, Die Geisterbeschwörung, Generalstreik.
Über den Autor: *6. Januar 1864 in Karolinenthal/Prag
†12. Juni 1932 in Prag

Sohn von Jacob Fürth sen. (1822–1863) und Marie Fürth, geb. Hübscher (1828-1919). Jacob Fürth studierte Rechtswissenschaften in Prag und promovierte 1887 zum Dr. jur an der Deutschen Universität Prag. Seit 1893 war er in Prag als Rechtsanwalt tätig. Außerdem versuchte er sich als Bühnendichter. Allerdings wurden nur wenige seiner Stücke auch gedruckt. Er war mit Olga Klepetar, der Tochter eines Prager Arztes, verheiratet. Sie hatten zwei Kinder. 1907 veröffentlichte er mit Phantasus (aka Der alte Gott) einen Band mit phantastischen Erzählungen. Es sollte sein einziges Werk in diesem Genre bleiben.



Friedrich Thieme
DAS LEBENDE BILD

Drei phantastische Geschichten

Herausgegeben von Robert N. Bloch
Buchschmuck von Jörg Neidhardt und Schädelwaldt



Denkt man an künstliche Menschen, so fällt einem Mary Shelleys Monster aus Frankenstein ein, vielleicht auch Prosper Mérimées belebte Statue aus »Die Venus von Ille« oder auch Gustav Meyrinks Golem, doch wer denkt schon daran, daß ein Gemälde zum Leben erweckt werden kann? Friedrich Thieme (1862–1945) hat diesen bizarren Stoff im Jahr 1909 zu einer Novelle entwickelt: Der englische Lord Arthur Palmerston hat sich unsterblich in das Gemälde einer Waldnymphe verliebt. Als er auf den französischen Professor Antoine de Maurissieux stößt, mit dessen Erfindung Gemälde belebt werden können, zahlt er diesem eine märchenhafte Summe, um seine Nymphe als lebendes Wesen in die Arme schließen zu können. Was er nicht bedacht hat: Welche Psyche sich in dem künstlichen Wesen befinden mag! Und ob diese Psyche die Liebe des Lords erwidern wird! Zwei weitere unbekannte phantastische Geschichten runden diesen Band ab.
Über den Autor: *23. November 1862, Burgstädt/Sachsen
†8. Juni 1945, Jena

Sohn des Webermeisters Fritz Thieme. Nach dem Besuch der Bürgerschule in Burgstädt und Borna wurde er Kaufmann in Erfurt, danach Redakteur des Jenaer Volksblatts. 1891 heiratete er Hedwig Römer. Sie hatten drei Kinder. Ab 1893 freier Schriftstelller in Jena, 1894 in Dresden, 1895 in Charlottenburg, seit 1897 wieder in Jena. Verfasser diverser Kriminalromane (Der Fall Gembalsky, 1901, Der Einäugige, 1906, Durch wessen Hand?, 1915) und Unterhaltungsromane sowie der Zukunfts-Kriminalgeschichte Ein Millionendiebstahl des 20. Jahrhunderts (1900).





Bodo Wildberg
DIE PANTHERBRAUT UND ANDERE SELTSAME GESCHICHTEN

Herausgegeben von Robert N. Bloch
Buchschmuck von Jörg Neidhardt



Exotisch-phantastische Kamingeschichten, die von absurden Zivilisationen in unerforschten Weltgegenden berichten, sind die Spezialität des Österreichers Bodo Wildberg (1862-1942), des Gentleman-Schriftstellers des frühen 20. Jahrhunderts. Man erfährt vom Volk der Pappa Lilli in Patagonien, die nichts anderes sind als zu menschengleichen Geschöpfen emporgebildete Kerbtiere. Oder von der Pflanze Girighori, die auf der Insel Ranvalona in der Nähe Madagaskars wächst. Es ist eine Orchidee mit Augen, deren Saft hellseherische Kräfte auslöst. Und dann gibt es noch die Sandukleute im Himalaja, die einen riesigen Pantherkopf anbeten …
Die Pantherbraut versammelt elf höchst seltsame und ungeheuerliche Geschichten aus einer Welt des Abnormen.
Enthalten sind folgende Erzählungen: Die Pantherbraut, Die Eisenbahnkatastrophe, Hüte dich vor Anka Nenadowitsch, Das Auge der steinernen Maske, Die Hand aus Chitin, Signe Sakrow, Vertauscht, Die Blume von der Insel Ranvalona, Dalmanns Haupt, Tante Engeltrauts Geist, Vitzliputzli.
Über den Autor: Bodo Wildberg ist das Pseudonym für Heinrich Ludwig Gabriel Dickinson, geboren am 7. August 1862 in Lemberg, Galizien, gestorben am 31. Januar 1942 in Berlin.

Er entstammt einem englisch-österreichischen Adelsgeschlecht, das bis ins siebzehnte Jahrhundert auf den Vorfahr Edmund Dickinson, einen Arzt und Alchimisten am Hofe Charles II., zurückgeführt werden kann. Sein Vater Heinrich (Henry) August Dickinson, Esquire (1822-1866), war Major im österreichischen Heer, die Mutter Maria Theresia, verwitwete Freiin von Hennet, Tochter des Oberlandesgerichtspräsidenten zu Prag. Wildbergs Vater starb 1866 in der Schlacht bei Königgräz an einer Schußwunde. Wildberg besuchte das Vitzthumsche Gymnasium in Dresden und ab 1876 die Theresien-Ritter-Akademie in Wien. In Wien studierte er Jura, um sich dann in Prag dem Studium der Philosophie und Philologie zu widmen. Von 1895 bis 1907 lebte er als Feuilleton-Redakteur und Schriftsteller in Dresden. Durch die Veröffentlichung erster Gedichte und Theaterstücke hatte er einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht. Am 21. April 1898 heiratete er Hedwig Drechsler. Sie hatten einen Sohn, Heinz Lothar, geboren 1899, der aber schon 1918 in Frankreich fiel. Ab 1907 lebte Wildberg als freier Redakteur und Schriftsteller in Berlin. Er schrieb vier Romane und einige Novellenbände, übersetzte zwei Bücher von Edgar Allan Poe, doch zum Lebensunterhalt war dies nicht ausreichend, aber auch nicht notwendig. Das beachtliche Vermögen seiner Eltern, väterlicher- wie mütterlicherseits, erlaubte ihm den Lebensstil eines Gentleman, der seinen Vorlieben nachging, d.h. ausgedehnte Reisen und Fußwanderungen und ein bißchen Schriftstellerei ohne Absicht auf kommerziellen Erfolg. Seine seltsamen Geschichten erschienen in den Bänden: Tötliche Triebe (1894), Dunkle Geschichten (1910), Schlangenhaut (1911), Der sechste Panther (1912) und Die Hunde von Romanowo (1927).